Robert Enke: Wer redet vom Lokführer?
Ja es ist tragisch: Robert Enke hat sich – aus welchen Gründen auch immer – das Leben genommen. Er war anscheinend labil, hat den Tod seiner Tochter und seine Infektion vielleicht nicht wirklich verkraftet – niemand kann das jetzt sagen was wirklich in ihm vorging. Aber bei allem Respekt:
Hat sich schonmal jemand Gedanken gemacht wie es vielleicht dem Lokführer geht? Er hat ihn auf den Schienen stehen sehen – ob er ihn erkannt hat bezweifel ich. Aber es stand ein Mensch auf den Schienen, hat ihn vielleicht noch angeschaut. Und der Lokführer kann nichts machen – auch bei einer Notbremsung braucht es bis zu mehreren hundert Metern um einen Zug zum stehen zu bringen… klatsch! Ich möchte nicht in der Haut des Lokführers stecken, gerade auch nachdem er erfahren hat wer sich da vor seine Lok geworfen hat… mancher Mensch geht an so einer Situation zugrunde.
Oder die Helfer der freiwilligen Feuerwehr, der Polizei, vom Rettungsdienst etc. – sie sind es die die sterblichen Überreste von den Gleisen kratzen dürfen! Wie weit geht man als Fan? Würdet ihr ihm auch die letzte Ehre erweisen indem ihr ihn von den Schienen kratzt? Oder sagt ihr euch: “Dafür haben wir doch die Feuerwehr etc..”?
Ich finde es unglaublich, die Medien stürzen sich auf diese Story und schlachten es aus bis zum geht nicht mehr. Aber nicht einer verliert einen Ton über das was der Lokführer und die Helfer in dieser Nacht durchmachen mussten. Niemand redet davon wie lange sie diese Bilder und Gedanken noch quälen.
Ja es ist schlimm für die Familie und Freunde, auch für die Fans. Aber bitte liebes Deutschland: Denkt auch mal dran was er mit dieser Art von Suizid anderen Menschen angetan hat. Und liebe Medien: Beleuchtet bitte auch mal diese Seite der Medaille – auch wenn sie euch vielleicht nicht ganz so viel Einschaltquoten oder Zeitungsverkäufe einbringt.
Danke!